![]()
Rathaus Oberursel im Taunus/Hessen
Nach vier Jahren Auseinandersetzung: Der Landrat im Hochtaunuskreis sieht ein, dass Motorradstreckensperrungen nicht zu rechtfertigen sind. „Die dauerhafte Anordnung der Sperrung kann zumindest aus Gründen des Lärmschutzes demnach nicht empfohlen werden“. So lautet die Zusammenfassung des Gutachtens zu einem Verkehrsversuch aus dem Jahr 2022, das der Landrat des Hochtaunuskreises beauftragt hatte, um temporäre Fahrverbote für Motorräder rund um den Feldberg ohne juristische Risiken durchzusetzen.
Detailinformationen:
Nachdem die „Zweite Zukunftswerkstatt Lärmpause“, zu der die Untere Verkehrsbehörde des Landkreises Hochtaunus, Anwohner und Motorradfahrer am 20. August 2025 eingeladen hatte, ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen war, hatte der BVDM in Kooperation mit den FDP-Bikern am 12. September 2025 die Initiative ergriffen und die Bürgermeisterin von Oberursel, Antje Runge angeschrieben, mit dem Angebot die Anschaffung eines Geschwindigkeits-Warn-Display an der Ortsausfahrt Hohemark zur Verfügung zu stellen. Unter anderem dort gab es seit Jahren Klagen der Anwohner über zu hohen Verkehrs- und Motorradlärm, verursacht durch schnelles, hochtouriges Fahren.

Die "Zukunftswerkstatt" scheitert: Anwohner in der Feldbergregion vermissen Maßnahmen zum Schutz vor Verkehrslärm (Bild-Quelle: Taunus Zeitung 23.8.2025)
Die Hohemark am Ortsausgang der Stadt Oberursel ist ein Tor zum Naherholungsgebiet Taunus und dem Feldberg. Aus der gesamten Rhein-Main-Region fahren jährlich tausende Pkw, Motorräder und Radfahrer über die Hohemark in den Taunus. Entlang der Ausfallstraße befindet sich eine intensive Randbebauung mit Wohnungen sowie ein Touristenzentrum. Nicht zu letzt hier, gibt es eine Vielzahl von Anwohner- und Touristen-Beschwerden über den intensiven Straßenverkehrslärm. Deshalb hatte der BVDM zusammen mit den FDP-Bikern und mit der Unterstützung von Bürgern der Stadt, das Konzept entwickelt, durch die vollständige Finanzierung der Anschaffung eines Geschwindigkeits-Warn-Displays am Ortsausgang, die Geschwindigkeit der Pkw und Motorräder zu senken und somit den Verkehrslärm zu reduzieren.

Die Hohemark in Oberursel: Tor in den Taunus und zum Feldberg. (Bild: R. Mohr)
Einen ersten Brief an die Bürgermeisterin von Oberursel, Antje Runge (SPD), schickte der BVDM bereits am 12. September 2025. Es bedurfte einer mehrfachen schriftlichen Erinnerung an die Bürgermeisterin, bevor es am 12. November 2025 zu einem Gespräch im Rathaus kam. Zugegen war dabei auch der hauptamtliche Stadtrat Andres Bernhardt (OBG/ Freie Wähler), der seitens der Stadt die „Projektrealisierung“ übernehmen sollte. Beide sagten das Interesse der Stadt zu. Der BVDM bekräftigte nochmals sein Angebot, durch ein großzügiges Sponsoring im Umfang von mehreren tausend Euro, die Anschaffungskosten vollständig zu tragen. Um Rechtssicherheit bei diesem ungewöhnlichen Projekt bürgerschaftlichen Engagements sicherzustellen, hat der BVDM im Dezember 2025 bei einer fachkundigen Rechtsanwaltskanzlei ein Rechtsgutachten beauftragt. Das Gutachten der Berliner Kanzlei „Göhmann Rechtsanwälte“ bestätigt die Zulässigkeit und die Kompatibilität mit der hessischen Gemeindeordnung. Besprochen war die Zielsetzung, das "Geschwindigkeits-Warn-Display" zu Beginn der Motorradsaison im April 2026 zu realisiern.
In einem Vorort-Termin an der Hohemark am 22. Dezember 2025 mit Stadtrat Andreas Bernhardt wurde der künftige Standort des Geschwindigkeits-Warn-Displays definiert. Bernhardt sicherte zu, zügig und zeitnah bis Mitte Januar 2026 die Zustimmung von Hessen-Mobil einzuholen. Zur Enttäuschung des BVDM und der FDP-Biker endete dann die Kommunikation seitens der Stadt Oberursel. Eine schriftliche Anfrage an den hauptamtlichen Stadtrat Bernhardt (mit Durchschrift an die Bürgermeisterin) vom 6. Februar 2026 wurde nicht beantwortet, ebenso wenig wie eine weitere Erinnerung vom 12. Februar 2026.

Stadtrat Bernhardt bricht die Kommunikation mit dem BVDM ohne Anlass und Begründung ab. (Bild: R. Mohr, 2026)
Irritiert und verstört sind auch Bürger von Oberursel, die sich mit Geldspenden an dem bürgerschaftlichen Engagement beteiligen wollten. Nicht zuletzt hatte der BVDM einen hohen Geldbetrag in das Rechtsgutachten investiert.
Der BVDM ist parteipolitisch neutral, er will gemeinsam mit Bürgern und den FDP-Bikern einen Beitrag zur Verkehrssicherheit und Verkehrslärmreduzierung leisten. Dabei ist der BVDM bei dieser Initiative offen für weitere NGO / Organisationen, die dieses Projekt bürgerschaftlichen Gemeinsinns realisieren wollen. Nicht zuletzt auch, um nach den Auseinandersetzungen um zurückliegende Motorradfahrverbote im Hochtaunuskreis einen pragmatischen, aktiven Beitrag zur Befriedung der Situation zu leisten. Umso enttäuschender ist die Beobachtung, wie die Stadt Oberursel auf das Engagement von Bürgern reagiert.
Der BVDM, als die Interessensvertretung der Motorradfahrer in Deutschland, setzt sich dafür ein, dass Motorradfahrer mit legal zugelassenen Motorrädern unter Beachtung der Straßenverkehrsordnung, jederzeit alle Straßen befahren dürfen. Die Missachtung der Verkehrsregeln, die Manipulation von Fahrzeugen, Raserei und das „Posen“ lehnt der BVDM ebenso ab, wie einseitig gegen Motorradfahrer gerichtete Maßnahmen. Der Verband fordert und unterstützt generell ein rücksichtsvolles Verhalten im Straßenverkehr und setzt sich seit seiner Gründung im Jahr 1958 intensiv für mehr Verkehrssicherheit ein.
Für Journalisten: Eine Pressemeldung passend zu diesem Artikel findet sich hier: