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Bei der 29. Deutschlandfahrt stimmte einfach alles!

Vergnügt gebe ich mich dem Rhythmus der Straße mit ihren herrlichen Kurven hin. Der Asphalt ist prima und supergriffig, die Sonne lacht, mit jeder Kurve kommen die Fußrasten näher an den Boden, die Reifen sind wieder wunderbar rund. Ich atme tief ein, wende am Ende der Strecke und fahre diese herrlichen Kurven gleich noch mal. Fahrgenuss pur. Für Minuten vergesse ich, dass ich eigentlich auf dem Weg zur nächsten Nebenkontrolle sein müsste. Die Strecke zwischen Katzmühle und Bad Blankenburg ist einfach viel zu gut und ich bin sowie schon lange aus meinem am Abend vorher erstellten Zeitraster gefallen. Eine Baustelle und schlechte Planung sind schuld. Aber das ist mir im Moment völlig egal. Es ist Freitag Mittag und ich bin unterwegs im Thüringer Wald als Teilnehmer der 29. BVDM-Deutschlandfahrt.

Es ist meine erste aktive Teilnahme, bisher hatte ich lediglich mal eine Hauptkontrolle besetzt. Erst recht kurzfristig ergab sich, dass ich noch mitfahren konnte, und aus Zeitmangel im Vorfeld warf ich nur einen flüchtigen Blick in die Ausschreibungsunterlagen. Da ich am Donnerstag zu meiner ersten Übernachtungsstation nach Bad Blankenburg von Köln aus überwiegend die Autobahn benutzt hatte, war ich im späten Nachmittag da und konnte erstmals ausführlich die Unterlagen studieren und überlegen, welche der zwölf
möglichen Hauptkontrollen mit ihren jeweils drei dazugehörigen Nebenkontrollen ich überhaupt anfahren könnte und sollte. Schließlich gilt es, möglichst viele Punkte zu ergattern. Da ich aber einen Bericht für die Ballhupe schreiben will und dazu natürlich auch reichlich Fotos machen muss, will ich die Sache ganz entspannt angehen. Genießen und nicht die Jagd nach Punkten soll deshalb im Vordergrund stehen.

An Freitagmorgen stehe ich kurz vor 8 Uhr bei den Bellmanns an der Jugendherberge in Bad Blankenburg. Sie besetzen die Hauptkontrolle 4. Von hier aus starte ich. Da ich noch einen Abstecher zur Burg Ehrenstein machen will, wähle ich die Route über Rudolstadt. Ein gravierender Fehler, wie sich kurz danach rausstellt, denn ich stehe an einer von zahlreichen Baustellen im Thüringer Wald im Stau. Obwohl ich ganz nach vorne durchfahre, verliere ich mehr als eine Viertelstunde. Mein Abstecher zur Burg kostet noch mal 30 Minuten und bis ich an der ersten Nebenkontrolle, der Klosterruine Paulinzella, ankomme, ist schon mehr als eine Stunde rum. Mit einer halben Stunde habe ich kalkuliert. Typischer Anfängerfehler. Und, so zeigt es die Auswertung hinterher, beim Beantworten der Fragen unterläuft mir ein Fehler und schon gibt es mal eben 82 Punkte abgezogen. Leider passiert mir das nicht nur einmal. Aber aus Schaden wird man ja bekanntlich klug. Und überhaupt, wollte ich nicht eigentlich nur aus Spaß teilnehmen und nicht auf Punkte fahren. Also so ganz ist mir das nicht gelungen.

Schließlich wollte ich doch noch möglichst viele Kontrollen schaffen und natürlich auch die Fragen beantworten. Der Ehrgeiz und die Lust auf die Deutschlandfahrt sind spätestens nach der ersten Nebenkontrolle geweckt. Doch auf der Jagd nach Punkten kommt mir diese traumhafte Straße in den Weg, die ich dann doch drei Mal fahre, bevor ich dann anderthalb Stunden später die nächste Kontrollstelle erreiche. Obwohl ich dem Boxer auf der folgenden Strecke ordentlich die Sporen gebe, brauche ich doch fast 45 Minuten. Die Strecke an der Talsperre Hohenwarte macht ebenfalls süchtig. Ich fahre so auf die Strecke konzentriert, dass ich den Hinweis zur nächsten Hauptkontrolle glatt übersehe und erst nach auf der nächste Gerade nach fast fünf Kilometer bemerke, dass ich wohl schon zu weit gefahren bin. Na wenn schon, dann kann ich diese herrlichen Kurven eben noch mal genießen. Um wenigstens ein bisschen von meiner Planung beizubehalten, fahre ich nur eine Nebenkontrolle an (die ich sogar in nur 20 Minuten erreiche).

Doch seit einiger Zeit leuchtet die Reservekontrolle, es wird höchste Zeit, endlich eine Tankstelle anzusteuern. Ein Anwohner gibt mir einen prima Tipp, denn die Tankstelle liegt nah bei der nächsten Hauptkontrolle, wo ich nicht nur Carsten treffe, sondern auch Wolfgang Schmitz, der bei seiner Tour zu den Hauptkontrollen gerade hier Station macht. Ich beschließe, dort meine Mittagspause zu machen und bleibe mehr als eine halbe Stunde. Richtig Gas geben kann ich anschließend auf dem Schleizer Dreieck, der unbekannten Nebenkotrolle von HK 5. Das macht mir wohl so viel Spaß, dass ich den Text zu einer Frage nicht richtig lese und prompt eine falsche Antwort aufschreibe. Einmal so richtig in Schwung, fahre ich auch glatt am Technischen Schaudenkmal vorbei, weil ich just an dieser Stelle einen Lkw überhole. Auf dieser herrlich ausgebauten Straße  bemerke ich meinen Irrtum auch erst nach einigen Kilometern. Wie war das doch. Jetzt kann ich die schönen Kurven gleich noch mal fahren. Die dritte Nebenkontrolle finde ich dagegen auf Anhieb: Schloss Wespenstein. Bei einem Gespräch mit dem Verwalter erfahre ich einiges über die Geschichte und den Namen dieses alten Gemäuers. Wenn ich meine beiden eingeplante Hauptkontrollen überhaupt noch erreichen will, muss ich mich jetzt aber sputen. Und als ich bei Joke und Jens Weinerdt an der HK 8 ankomme, muss ich natürlich auch Jette, die jüngste Teilnehmerin der Deutschlandfahrt begrüßen.

Offensichtlich hat auch sie schon Benzin im Blut (bei den Eltern kein Wunder), denn fasziniert betrachtet sie mein Motorrad. Ich fahre nur noch eine Nebenkotrolle an, bevor ich bei Dagmar und Don auf dem Simmersberg Schluss für den ersten Tag mache. Naja fast, denn von hier muss ich noch nach Oberhof, wo ich für die nächsten beiden Nächte ein Zimmer gebucht habe. Nicht gerade clever, denn am nächsten Morgen brauche ich fast 40 Minuten bevor ich bei Dagmar und Don wieder an den Start gehen kann. Irgendwie hatte ich am Abend vorher doch nur 30 Minuten gebraucht. Logisch, da war ich ja nicht auch noch Tanken gefahren, obwohl genau das sinnvoll gewesen wäre. Mit zehnminütiger Verspätung starte ich also in Tag zwei meiner ersten Deutschlandfahrt. Nach Studium der unbekannten Nebenkontrolle auf der Karte entschließe ich mich, nur zwei Nebenkontrollen anzufahren, um kein Zeitproblem zu bekommen. Schließlich ist um 14 Uhr Zielankunft in Oberhof und jede Minute später gibt Punktanzug.

Dadurch schaffe ich es tatsächlich, so an der HK 10 bei Inge und Arno Keuser anzukommen, dass ich noch zehn Minuten Zeit habe, mir die nächsten Stationen zu überlegen. Mit allen drei Nebenkontrollen müsste ich um 12.30 Uhr an der HK 3 sein und hätte noch Zeit für eine Nebenkontrolle. Doch auch hier passt meine Planung nicht, denn ich bin erst um 13 Uhr in Gehren, wo ich Ingrid und Christiane treffe. Gemeinsam fahren wir nach Oberhof zum Ziel am Haus des Gastes. Hier sind schon die ersten Teilnehmer eingetroffen. Wir geben unsere Wertungshefte ab und nach ersten Gesprächen mit Freunden und Bekannten geht es ins Hotel. Nach einer kurzen Pause steht dann ein attraktives Rahmenprogramm mit Besichtigung, Schießen und Hochseilgarten an, bevor als krönender Abschluss die Siegerehrung stattfand. Trotz nicht allzuvieler Teilnehmer an der Deutschlandfahrt ist der Saal im Haus des Gastes voll, denn die Eurobiker haben auf Anregung von Wolfgang Schmitz, der diese Deutschlandfahrt hervorragend organisiert hat, ihre Jahresabschlussveranstaltung hierher verlegt. Nicht nur Wolfgang, sondern auch einige andere BVDM-Mitglieder fahren als Tourguide oder Mitglied bei den Eurobikern mit. Mit den Eurobikern und dem Bürgermeister von Oberhof hatte Wolfgang am Samstag auch eine geführte Motorradtour zu einigen Kontrollen unternommen, um den Eurobikern einen Eindruck von der Deutschlandfahrt zu vermitteln. Über den BVDM und seine Arbeit informierte sich auch Bundestagsabgeordnete Iris Gleicke, die ebenfalls an der Abschlussfeier teilnahm und ein paar Grußworte sprach. 

Oberhof gehört zu ihrem Wahlkreis und sie fährt Motorrad, ebenso wie der erfolgreiche Bobfahrer Wolfgang Hoppe, der begeisterter Cross-Fahrer ist. Er bereicherte die Veranstaltung durch seine Anwesenheit. Es war ein schöner Abend mit vielen interessanten Gesprächen und auch am nächsten Morgen beim gemeinsamen Frühstück ließen viele Teilnehmer die schönen Ereignisse Revue passieren. Ich möchte noch einmal ausdrücklich Wolfgang und allen Helfern für ihre Arbeit danken. Mein Fazit: Ich habe eine sehr schöne Region Deutschlands kennengelernt, nette Menschen getroffen, bin auf meistens guten und kurvenreichen Straßen bei prima Wetter in anderhalb Tagen gut 850 Kilometer gefahren und hatte einen Riesenspaß dabei. Das Reglement ist gar nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick aussieht und für mich steht fest, dass ich im nächsten Jahr wieder dabei bin, wenn es mein Terminplan irgendwie zulässt. Ob auf der Jagd nach Punkten (wie man das richtig macht, könnt Ihr auf Seite 14 lesen) oder aus Spaß an der Freude weiß ich noch nicht, aber um Punkte zu fahren, hat auch seinen Reiz und ich bin immerhin 19. geworden.

Und mit dem BVDMTeam haben wir Platz drei erreicht (allerdings nur, weil ein anderes Team ausgefallen ist) und einen Pokal erhalten. Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr wieder viele bekannte und jede Menge neue Teilnehmer treffe. Es gibt für Motorradfahrer nämlich kaum eine schönere Art, Deutschland kennenzulernen, als mit der BVDM-Deutschlandfahrt.

Wir sehen uns hoffentlich bei der 30. Ausgabe der Deutschlandfahrt im nächsten Jahr!

Michael Lenzen

 
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