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Ab der Mitte der 50er Jahre war das „Wirtschaftswunder“ in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zusammenbruch 1945 voll zum Tragen gekommen. Doch im Zuge dieser Wohlstandsentwicklung schien man uns Motorradfahrer als Reste einer „armen“ Zeit nicht mehr gern zu registrieren.

Die deutsche Motorradindustrie erlebte einen schlimmen wirtschaftlichen Rückschlag mit dem Verlust alter Fabriken, der Motorradsport wurde nur mühsam am Leben erhalten – das Auto fing an, die Welt mit mehr und mehr Bedeutung zu erfüllen. Es gab immer weniger Motorräder und Motorradfahrer.

In dieser Situation zerbrachen wir uns in der Redaktion der Zeitschrift „DAS MOTORRAD“ (damals hieß es noch so!) die Köpfe, auch welche Weise man den Motorradenthusiasten jener Jahre Mut zu ihrem Sport machen könnte, und wie man es fertig bringen würde, einen engeren Zusammenhalt zu schaffen, ohne einen neuen Verein gründen zu müssen.

Carl Hertweck, Chefredakteur und durch seine mit „C.H.“ signierten Leitartikel weithin bekannt, dazu ein gewisser Mensch mit dem Spitznamen „Klacks“ kamen auf die Idee, einen gelb gefärbten Schal zu entwerfen, mit dem Gleichgesinnte sich erkennen und im Falle einer schwer zu behebenden Panne am Straßenrand eventuell auch Hilfe herbeiholen konnten, wenn man dieses Zeichen ans Lenkerende hängen würde (Pannen unterwegs gehörten noch zu den durchaus immer wieder vorkommenden Abenteuern beim Motorradfahren).

Im Heft 1/1956 vom 14.01.1956 schrieb C.H. seinen Leitartikel „Einer von uns“, mit dem er unsere Gedanken erläuterte, und daraus entstand der Begriff „Der Gelbe Schal".

Im Verlauf der nächsten Jahre wurde daraus eine in „Das MOTORRAD“ mehrfach veröffentlichte Information über Gasthöfe, in denen Motorradfahrer willkommen waren. Es liefen auch immer mehr Berichte über Begegnungen und positive Erlebnisse ein, die wir dann druckten, und schließlich kam dazu, daß sich die Motorradfahrer mehr und mehr danach orientierten, ob ein anderer einen solchen Schal trug oder nicht.

Eines Tages – im Jahre 1958 – kam der Orgelbaumeister Werner Renkewitz aus Nehren ins Bild, der bei einem zwanglosen Motorradtreffen den Vorschlag machte, eine geschlossene Gruppe, einen eingetragenen Verein „Der Gelbe Schal“ für Motorradfahrer zu gründen.

Der „Orgelwerner“, wie wir unseren Freund allgemein nannten, hatte Erfolg mit seiner Aufforderung, und man überredete mich – mit mehr oder weniger sanftem Druck – den 1. Vorsitzenden zu machen.

Aber das konnte nicht gut gehen, denn damals (ich war dieser gewisse Mensch mit dem Spitznamen „Klacks“ in „Das MOTORRAD“) bekam ich schon durch meine beruflichen Aktivitäten als Redakteur kaum Luft und viele Nächte keine Augen zu. Schließlich kam meine innere emotionelle Aversion gegen Vereinsmeierei dazu, außerdem aber – was sehr wichtig für meinen Beruf war – gab es das Problem, als Fachjournalist unabhängig zu bleiben (ich bin bis heute in keinem Verein, nicht mal in einer Berufsorganisation – allerdings war ich bis 1955 DMV-Mitglied gewesen). Bestimmt konnten es manche Freunde nicht begreifen, aber nach einem Jahr habe ich den Vorsitz aufgegeben, der der neuen Interessengemeinschaft und meinem Beruf – also beiden – nichts brachte. Nachfolger wurde Dr. Bulle.

Diese Gruppe „Der Gelbe Schal“ war die Basis des Bundesverbandes der Motorradfahrer e.V., wie sie sich dann nannte, und es ist vielleicht heute wichtig, nicht nur die Geschichte des Entstehens der Gemeinschaft zu dokumentieren.

Man hätte ja sagen können, daß es 1958 noch Vereinigungen und Clubs genügend gab, die sich – als Kraftfahrer- und Motorsport- Vertretungen – auch um das Wohl der Motorradfahrer hätte kümmern sollen. Doch außer Veranstaltungen von immer weniger werdenden Sportgeschehnissen, zuletzt bei Straßenrennen als fünftes Rad am Wagen innerhalb von Autorennen, traten diese Verbände wenig oder kaum in Aktion, wenn es darum ging, für die Gesamtheit der Motorradfahrer eine Lanze zu brechen.

Der allgemeine Unmut der Gesellschaft den Motorradfahrern gegenüber tat das Übrige, um bei vielen Enthusiasten den Glauben an die Notwendigkeit einer echten Motorrad-Interessenvertretung zu stärken. Vielleicht sagen diese Fakten den heutigen Motorradfahrern nichts, die unbeschwert von diskriminierenden Ansichten in der Öffentlichkeit ihrer Freude am Fahren und an der Technik frönen können. Damals veröffentlichte dpa: „DAS MOTORRAD IST TOT“ – DIESE ANSICHT VERTRITT DER CHEF DER SCHWEINFURTER FICHTEL & SACHS-WERKE, ERNST WILHELM SACHS…“ (15.12.1959).

So war es eine logische Folge, daß viele nach einem Zusammenschluß suchten, der in der Lage wäre, der Öffentlichkeit in der richtigen Art und Weise zu sagen, daß das Fahrzeug Motorrad und daß seine Fahrer ihre Daseinsberechtigung keinesfalls verlieren würden.

Dieser Zusammenschluß sollte aber nicht von Leuten betreut werden, denen ein Motorrad fremd und nur Verbandsarbeit wichtig war. Alte Motorradhasen – so war die Vorstellung – sollten praxisnah für ihre Freunde mit Gedanken und Aktionen tätig werden, und man erhoffte sich, daß das Engagement, das Motorrad-Wissen, Umsicht und Entschlußkraft leitende Antriebe würden. Man wollte sich eben nur Menschen anvertrauen, von denen man wußte, daß ihnen aus dem täglichen Motorraderlebnis heraus die Gedanken zu Hilfe kämen.

So kam es dann auch.

Der BVDM betrat die Bühne nicht als Verband mit tausenden von Mitgliedern. Es waren – glaube ich – zuerst keine 100. Zäh und unermüdlich mußte agiert werden, um die Ideale zu verwirklichen. Da gab es kein Spesenkonto, keine bezahlten Funktionäre – jede Briefmarke, jedes Stück Papier mußte zunächst aus der eigenen Tasche kommen.

Und „Sponsoren“?

Daß ich nicht lache! So was war uns damals unbekannt, und wir wären uns auch reichlich komisch vorgekommen, hätten neben dem Namen der Gemeinschaft vielleicht NIMM DARMOL - DU FÜHLST DICH WOHL gestanden.

Na, Spaß beiseite – der BVDM fing sehr klein und sehr hart an, und es ist ernsthaft zu sagen, daß alle diejenigen, die damals die Sache angepackt haben – bitte, meine Wenigkeit ausgeschlossen! – einen unerhörten Elan und Mut aufbrachten, eine tolle Zähigkeit bewiesen und trotz vieler, vieler Schwierigkeiten immer wieder ein Stück weiter gekommen sind. Bis heute, 1983.

In dieser Gruppe aber fand ich viele gute Freunde, obwohl ich nach dem ersten Jahr, welches mir den Vorsitz bescherte, ausschied und abseits bleiben mußte. Irgendwie habe ich mich immer dazugehörend gefühlt, und es gibt eine Menge Unternehmungen, an denen ich mich beteiligen konnte und an die ich mich immer mit Freude erinnere. Es blieb mir immer vergönnt, mit dem BVDM in Freundschaft zusammenarbeiten zu können, so lange ich Redakteur bei „Das MOTORRAD“ und später Chefredakteur von „PS – Die Motorradzeitung“ war.

Natürlich gab es auch unterschiedliche Meinungen zu dem einen oder anderen Thema, das bringen Praxis und Arbeit überall mit sich. Doch waren das nie Gründe zu irgendwelchen Querelen. Dafür saß uns allen gemeinsam die Motorrad-Begeisterung und die Freude am Fahren in den Knochen.
Wie die nachfolgende Geschichte des BVDM beweist, hat es sich gelohnt, daß 1958 mit der Interessengruppe „Der Gelbe Schal“ der Grundstein zu diesem Verband gelegt wurde. Ohne diese Gründung würde es viele segensreiche Unternehmungen zum Wohle der Motorradfahrer heute nicht geben. Daran wollen wir heute einmal denken, wenn es heißt „25 Jahre Bundesverband der Motorradfahrer e.V.“

"Klacks“ - Ernst Leverkus

 
© BVDM e.V.