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Obwohl ich seit 1955 ausschließlich mit Motorrädern fuhr, erfolgte der erste Kontakt mit dem Bundesverband der Motorradfahrer e.V. erst anno 1967. Ohne zu ahnen, wie weitreichend dieser Verband in den folgenden Jahren in meiner Freizeit eingreifen würde, trat ich ihm arglos bei. Im Vorstand waren damals Horst Briel als 1. Vorsitzender und Willi Reuter als Geschäftsführer außerordentlich aktiv, und sie verstanden es, uns Mitglieder zu begeistern. Mein Standpunkt, daß man ehrenamtliche Verbandsarbeit auf möglichst viele Schultern verteilen müsse, führte zu meiner Wahl zum 2. Schriftführer bei der Hauptversammlung in Westergellersen 1971. Damit oblag mir die Führung der etwa 700 Blatt starken Mitgliederkartei. Außerdem erhielt ich einen Einblick in die Vorstandsarbeit, die Verbandspolitik und die Organisation des Elefantentreffens.

In den siebziger Jahren stieg die Zahl der zugelassenen Motorräder regelmäßig kräftig an, und eins unserer Ziele war, auch unsere Mitgliederzahlen entsprechend zu steigern. Es gelang auch, erforderte jedoch eine gewaltige Kleinarbeit und rege Reisetätigkeit. Immer, wenn die wichtigsten Informationen über den BVDM schriftlich oder telefonisch an eine interessierte Motorradfahrergruppe abgegangen waren, fuhren ein oder zwei unserer Vorständler zu deren Clubabend, um sich kennenzulernen und mündlich auszutauschen. Auf diese Weise traten zum Beispiel im Jahre 1972 der Untertaunus Motorradclub und die Landesverbände Main-Spessart und Niederelbe dem BVDM bei.

Die ersten Kontakte ergaben sich sehr häufig während der IFMA in Köln, wo wir regelmäßig den Motorradfahrertreffpunkt betreuten. Später haben wir regionale Ausstellungen speziell und unsere Großveranstaltungen nebenbei dazu genutzt, bei Motorradclubs um Mitgliedschaft zu werben. Gut sichtbar wurde der Erfolg, als wir nach unserer Teilnahme an einer Ausstellung in Kiel im April 1979 einen kräftigen Zugang von norddeutschen Mitgliedern verzeichnen konnten.

Motorradfahrer sind zu einem großen Teil junge Menschen, die notwendigerweise mehrmals umziehen bis sie schließlich seßhaft werden. Damen wechseln gelegentlich auch noch ihren Familiennamen. Das führt dazu, daß die Anschriftenverwaltung eine Menge menschlicher Energie verschlingt. Deshalb hat der damalige 2. Geschäftsführer Friedrich Wilhelm Sprenger bereits im Jahre 1974 die Elektronen für uns aktiviert, und sich und seinen Nachfolgern die Arbeit erheblich erleichtert. Wir mußten zwar mehrfach die Programme erweitern und auch einmal den Verarbeiter wechseln, bis schließlich in diesem Jahr die technischen und finanziellen Voraussetzungen den Kauf eines Schreibtischcomputers „Modell Triumph-Adler alphatronic P3“ möglich machte. Die erneute Umstellung bereitete unserer Schatzmeisterin Margot Wittke und dem 1. Geschäftsführer Klaus Schumacher ein gehöriges Stück Arbeit, aber Fehler und Verzögerungen werden unter anderem dadurch sicher erheblich eingeschränkt, zumal das Programm speziell für unsere Belange geschrieben wurde.

Leider hatten wir immer mit einer zu großen Fluktuation fertig zu werden. Die wesentlichen Gründe dafür sehe ich in zu hoch gespannten Erwartungen beim Eintritt, nicht immer ausreichende Information über die Verbandsarbeit und Aufgabe des Motorradfahrens. Die beiden zuerst genannten Gründe können nur durch noch bessere Aufklärung über Ziele und Möglichkeiten des BVDM vor und über Erfolge während der Mitgliedschaft als Ursache für den Austritt an Bedeutung verlieren. Dieser Aufgabe muß sich der Vorstand annehmen, denn Austritte kosten nicht nur Geld, sondern sie mindern auch den guten Ruf des Verbandes.

In einem bundesweit gestreuten Verband wie im BVDM spielen die Kommunikationsmittel zwischen dem Bundesvorstand, den Vereinsvorständen und den Mitgliedern eine wichtige Rolle. Diese Aufgabe hat die „Ballhupe“, das Nachrichtenblatt des Bundesverbandes der Mo-torradfahrer e.V., zu einem großen Teil zu erfüllen. Sie erscheint viermal im Jahr, und das ist auch schon ihr größter Fehler. Kurzfristige Bekanntmachungen durch sie sind eben nur jeweils kurz vor Redaktionsschluß möglich. Aber ein öfteres Erscheinen ist für uns unbezahlbar, denn unsere Zeitschrift schlägt bereits jetzt mit 20% der gesamten Ausgaben zu Buche. Das ist zwar ein dicker Brocken, aber ihre Aufmachung und vor allem der Inhalt müssen Niveau besitzen. Außerdem darf der Anzeigenteil nicht so groß sein, daß man uns Abhängigkeit anlasten könnte.

Im Laufe der Jahre haben verschiedene Redaktionen die „Ballhupe“ gestaltet. Seit wann, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall bis zur Ausgabe 1/1976 hat Willi Reuter unser Nachrichtenblatt erarbeitet und die meisten Artikel geschrieben. Ein gewisser Bill Longstroke, den ich leider nie kennenlernte, war sein Bürogehilfe. Die Nachfolge trat eine Gruppe aus der MFG Köln an, die von Wolf Georg Rohde geleitet wurde, und der sich später Mitglieder des MC Hilden 1974 e.V. zugesellten. Sie strömte über vor neuen Ideen, und der Umstand, daß sie ausschließlich der Jugend zuzurechnen waren, veränderte die „Ballhupe“ nach und nach im Inhalt und äußerlich erheblich. Darüber gab es im Vorstand eine ernste Auseinandersetzung, die dazu führte, daß Mitglieder aus dem Landesverband Rhein-Ruhr und benachbarten Ortsclubs unter der Koordination von Heinz Sauerland die Zeitschrift unter ihre Fittiche nahmen und sie noch heute zur Zufriedenheit (fast) aller gestalten.

Man kann immer wieder hören und lesen, daß die Motorradfahrer keine Interessenvertretung hätten. Nun, ich meine, daß der Bundesverband der Motorradfahrer e.V. diese Vertretung ist – sicher nicht die denkbar beste, aber immerhin eine.

Bereits im Jahre 1972 wurde der BVDM beim Deutschen Bundestag als Verband und damit als Interessenvertretung registriert. Das reicht natürlich nicht aus, denn diese Vertretung muß auch ständig im guten Sinne von sich reden machen. Dazu braucht man ein Büro in Bonn und mindestens einen Angestellten. Beides haben wir nicht, und trotzdem gibt es für uns Motorradfahrer keine bessere Interessenvertretung als den BVDM.

Als im Jahre 1974 nach der ersten Öl(preis)krise die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auch auf Autobahnen beibehalten werden sollte, forderte der BVDM seine Mitglieder auf, mit Postkarten an das Ministerium, die Abgeordneten und Parteien die Aufhebung der Beschränkung zu fordern. Entsprechende Vordrucke lagen damals der „Ballhupe“ bei. Die Beschränkung wurde tatsächlich aufgehoben, aber wie groß unser Anteil am Erfolg war, weiß natürlich niemand.

Im gleichen Jahr verbrauchten die Bemühungen um die Gründung einer genossenschaftlichen Haftpflichtversicherung den größten Teil der verfügbaren Energien. Horst Briel und Willi Reuter verhandelten mit dem Versicherungsaufsichtsamt, dem HUK-Verband, einem engagierten Partner, Rückversicherungen und natürlich mit den Motorradfahrern. Die Bemühungen hatten zwar nicht den erwünschten aber einen anderen Erfolg. Eine alte Forderung konnte durchgesetzt werden. Der Schadensfreiheitsrabatt wurde wieder eingeführt und die Klasseneinteilung wurde von Hubraum auf Leistung umgestellt. Wenn auch die Grenzen nicht unseren Vorstellungen entsprachen, so war das doch ein Erfolg für die Motorradfahrer.

In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre wurde eine Kraftfahrzeugsteuerreform diskutiert. Das Finanzministerium machte im wesentlichen zwei Vorschläge zur Ablösung der Hubraumbzw. der Gewichtssteuer:

  1.  Anhebung der Mineralölsteuer um DM 0,14/l
  2. Erhebung einer Kaufsteuer und Anhebung der Mineralölsteuer um DM 0,13/l

Beide Vorschläge hätten für uns Motorradfahrer eine erhebliche Verteuerung gebracht. Außerdem wäre der Vorteil der Steuerfreiheit für die Klein- und Leichtkrafträder sowie für Mopeds und Mofas fortgefallen. Unser damaliger Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Wilhelm Hopmann, nahm für den BVDM an einer ministeriellen Anhörung teil und erläuterte dort als einziger die Auswirkungen der Reform für Motorradfahrer. Sicher hat auch das dazu beigetragen, daß die Reform schließlich begraben wurde und wir noch heute unsere Hubraumsteuer zahlen.

Gefährliche Leitplanken, glatte Fahrbahnmarkierungen, Kanaldeckel und Dehnungsfugenplatten,
Überholverbot, freie Wahl der Fahrspur in geschlossenen Ortschaften, Sperrungen für Motorräder wegen Lärm, Stufenführerschein, das sind die Dauerbrenner in unserem Bemühungen, eine Interessenvertretung für Motorradfahrer zu sein. Bei einer unserer  Podiumsdiskussionen am 18.03.1978 im Ratssaal zu Bensberg haben wir unsere Sorgen dem Leiter der Abteilung Straßenverkehr im Bundesverkehrsministerium ausführlich erläutert. Danach haben wir keine Gelegenheit versäumt, an diese Gefahren und Ungereimtheiten zu erinnern. Unser 1. Geschäftsführer Klaus Schumacher hatte am 18.07.1983 Gelegenheit, an einem informellen Abendessen mit dem Bundesverkehrsminister Dollinger und einigen seiner Beamten teilzunehmen, und dort Gehör für unsere Wünsche und Vorschläge vorgefunden. Verrät vielleicht die nächste Novelle zur Straßenverkehrsordnung schon unsere Mitwirkung?

Auch so verschiedene Dinge wie die Gestaltung des „Tag des Motorradfahrers“, den wir seit 1981 jährlich zum Saisonbeginn durchführen, oder unsere Mitgliedschaft im Deutschen Verkehrssicherheitsrat muß man unter dem Aspekt der Interessenvertretung sehen. Hier wie dort soll etwas für die Motorradfahrer erreicht werden. Die Möglichkeit, beispielsweise eine Vereins-und Veranstalterhaftpflichversicherung abzuschließen, war ein großer Erfolg in diesen unseren Bemühungen.

Im Bundesverband der Motorradfahrer e.V. dürfen natürlich auch der nicht genehmigungspflichtige Motorradsport und die Touristik nicht zu kurz kommen. Seit 1971 führen wir einen Jahrestouristikwettbewerb durch, bei dem zehn Fahrten nach eigener Wahl gewertet werden. Einen ähnlichen Jahreswettbewerb für n.g.-Sport schrieb Günter Wuttke, unser damaliger Bundessportwart, ab 1974 aus, bei dem Orientierungsfahrten, Bildersuchfahrten, Fuchsjagden, Geschicklichkeitsturniere usw. gewertet werden. Eine Orientierungsmeisterschaft gibt es seit  1978. Die Preise für diese Jahreswertung verleihen wir seit 1978 beim Winterfest, das wir jetzt regelmäßig feiern.

Die meisten unserer Vereine haben sich in der Veranstaltung von Sportfahrten oder Treffenbereits bewährt. Viele haben eine lange Tradition. Als Beispiele kann ich hier nur eine kleine Auswahl aufführen:

  1. Kasseler Motorradfreunde: Jumbofahrt seit 1967
  2. Landesverband Rhein-Ruhr: Int. Motorrad-Veteranen-Rallye Xanten seit 1971-1981
  3. Untertaunus Motorradclub: Rabenkopftreffen seit 1973
  4. Motorradclub Sauerland: Enzian-Rallye seit 1974, um die Nürburg einmal anders seit 1974, Wintergespannfahrt seit 1975

Das Elefantentreffen wurde bis 1976 vom Landesverband Rhein-Ruhr geleitet und danach vom Bundesverband übernommen. Zusammen  mit der Firma Continental Gummiwerke AG ist er auch der Veranstalter des Internationalen Motorradfahrertreffens im Contidrom. Über
diese beiden Großveranstaltungen ist auch an anderer Stelle dieser Festschrift zu lesen.

Die Deutschlandfahrt, die in den Jahren 1976 bis 1981 gestartet wurde, hat leider nie die Teilnehmerzahlen erreicht, die den organisatorischen Aufwand gerechtfertigt hätten. In der  ganzen Bundesrepublik waren eine Vielzahl von Kontrollen und um die Uhr besetzt, um den wenigen Fahrern einen Stempel auf die Wertungskarte zu drücken. Nur 36 Starter hatten im Jahre 1981 ihre Nennung abgesandt. So war es kein Wunder, daß die Deutschlandfahrt nicht wieder ausgeschrieben wurde. Eine Nachfolgeveranstaltung ist aber für die Langstreckenfahrer und auch für den BVDM wünschenswert.

Für die technische Weiterbildung hat es im BVDM in unregelmäßiger Reihenfolge immer Seminare gegeben, an denen meist die Industrie mitwirkte. Einige Jahre lang führten wir einen umfangreiches Winterprogramm durch. Eine Auswahl der Themen möchte ich hier vorstellen:

  • Montagearbeiten an Guzzi-V7-Motoren mit Fritz Röth 1969
  • Moderne Motorradelektik mit Siegfried Rauch 1973
  • Montagelehrgang an BMW-Motoren in der Kundendienstschule in München 1975
  • Zündkerzen-(Champion), Akkumulatoren-(Mareg) und Reifenkunde (Continental)
  • Schutzhelme (Schuberth)
  • Schutzkleidung (Fackelmann)
  • Motorradmarketing (Wolf-Georg Rohde) usw.

Seit 1977 hat die MFG Köln einige Jahre lang Gespannfahrerlehrgänge durchgeführt. Später hat der Bundesverband sie fortgesetzt. Edmund Peikert, ein Mitinitiator und Instruktor, kam eines Tages auf die Idee, sein Wissen über die Gespanntechnik zu Papier zu bringen. Daraus entstand das kleine Fachbuch „Leitfaden für Freunde des Gespannfahrens“, das der BVDM rechtzeitig zur IFMA 1980 herausgegeben hat. Es fand derartigen Zuspruch, daß bereits zur IFMA 1982 eine erweiterte zweite Auflage aufgelegt werden mußte. Die TÜV-Prüfstellen gehören inzwischen zu unseren besten Kunden, und andere Institutionen verwenden das konkurrenzlose Büchlein ebenfalls für ihre Gespannfahrerlehrgänge.

In einer solchen Rückschau kann man leider nicht alle Aktionen erwähnen, weil sie sonst noch länger und vielleicht auch noch trockener würde. Jedenfalls ist eine ganze Menge mehr im BVDM geleistet worden, was größtenteils zum Nutzen gedieh. Meist war die Arbeit auf viele Schultern verteilt und konnte auch nur deshalb bewältigt werden.

Horst Orlowski

 
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