Technischer Defekt an Bremsanlage: Schwerverletzter BMW-Fahrer
+++ Datum: 15.01.2008 +++ Über Polizei-Presseverteiler +++
Ereignis: Verkehrsunfall mit Schwerverletzten Ort: L 3171 zwischen Hünfeld und Rossbach Zeit: 13.01.2008, 14.05 Uhr Schaden: Ca. 450,- Euro Sachverhalt: Ein 44-jähriger Kradfahrer befuhr die Landesstraße von Hünfeld kommend in Richtung Rossbach. Auf Grund eines technischen Defektes an der Bremsanlage blockierte das Vorderrad und der Kradfahrer stürzte zu Boden. Er wurde mit schweren Verletzungen in das Krankenhaus Hünfeld eingeliefert.
Kontakt:
Polizeistation Hünfeld Im Honigfeld 2 36088 Hünfeld
oder
Staatsanwaltschaft Fulda
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Die Freundin des Schwerverletzten BMW R1200GS Fahrers, beide kommen aus Fulda, meldete sich am 17.01.2008 um 09:33 Uhr in einem Motorrad-Internetforum mit einem Bericht zu dem Unfall zu Wort, in dem sie öffentlich darstellte, das Vorderrad habe plötzlich blockiert, und zwar ohne Fahrereinfluss. Am Unfallort habe ein Zeuge gesagt, dass es aus der Bremse gedampft habe. Nach Hilfe suchend fragte sie, ob schon mal jemand von einem so gelagerten technischen Defekt bei diesem Motorrad-Modell gehört habe. Ihrer Darstellung nach wäre es ihnen sehr wichtig, entsprechende Informationen zu bekommen, denn ihr Freund habe die ordnungsgemäß warten lassen habe „alle Checks machen lassen.“ Sie teilte ferner mit, das Motorrad sei Baujahr März 2004 und wäre mit ABS ausgestattet. Was bedeutet: Es ist mit dem umstrittenen und defektanfälligen Integral-ABS ausgestattet, einer Gemeinschaftsentwicklung von FTE automotive/Ebern und dem Geschäftsfeld BMW Motorrad der BMW Group/München. ...
Das ist die Darstellung der Freundin des Schwerverletzten (inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen): Darstellung
These:
Aus einem ungeklärten Grund sind die Bremsen - nach einer Betätigung - an der Schreibe drangeblieben, im konkreten Fall an der Vorderradbremse. Und zwar dergestalt, dass es (noch) nicht zu einer Radblockade bei dem Motorrad in Bewegung kam. Darauf haben sich die Scheiben erhitzt (in der Darstellung "dampfte es aus der Bremse") und in der Folge hat sich die Bremsflüssigkeit erhitzt, was zu einer Volumenausdehnung derselben führte.
Meines Wissens dient die Ausgleichsbohrung des Hauptbremszylinders dem Ausgleich von temperaturabhängigen Volumenschwankungen in den Bremsleitungen und zum raschen Abbau des Bremsdrucks. Näheres findet sich auch im Kraftfahrtechnischen Handbuch. Diese Ausgleichsbohrung des Hauptbremszylinders könnte (durch einen Span?) verschlossen/verstopft worden sein. Diese Beschreibung (Späne in Bremsleitungen) gab es bereits in vergleichbaren, ähnlichen Fällen, nämlich von fachkundiger Seite.
Jetzt wäre wirklich noch interessant, ob nach Abkühlen der Bremsflüssigkeit - also nach dem Sturz des Geschädigiten - die Bremskolben sich wieder gelöst haben. Ob dannach das Motorrad bewegt werden konnte.
Wenn das der Fall wäre, was (bislang) nicht geschildert ist, könnte die These wahrscheinlich sein. Und wenn die These tatsächlich zutrifft, wäre aufregend, zu erfahren, wie oft in der Praxis tatsächlich Späne in Bremsleitungen vorkommen und was der Grund in der Fertigung oder Montage ist, dass das vorkommt.
Aufregend wäre auch, zu erfahren, ob die besonderen Anforderungen an den Hauptbremszylinder bei ABS-Bremsen (Druck in Bremsleitungen schwankt stark) zu diesem Phänomen beitragen kann. Insgesamt also ein sehr spannendes Thema. Zumal bei (modernen) Autos mit ABS, nach meiner kurzen Recherche, daher ein sogenanntes Zentralventil verbaut wird, also nicht über eine Ausgleichsbohrung technisch gelöst ist.
Siehe auch: http://www.fte.de/upload/Fehlersuche_723.pdf, Seite 5 (Thema: "Bremse wird bei der Fahrt heiß"): "Ausgleichsbohrung vom Hauptbremszylinder zugerostet, verschlossen bzw. verstopft."
RE: Technischer Defekt an Bremsanlage: Schwerverletzter BMW-Fahrer
Zur weiteren Abklärung und vor dem Hintergrund, dass der Justiz deutschlandweit mehrere Fälle blockierender Bremsen bei BMW Motorrädern mit Personenschaden bekannt sind, liegt der konkrete Fall (BMW R1200GS, BJ März/2004, Integral-ABS FTE automotive) derzeit bei der Staatsanwaltschaft.
Diese hat Ermittlungen eingeleitet.
Das Kraftfahrt-Bundesamt ist zwar informiert, die Ermittlungen der StA haben aber immer Vorrang.
RE: Technischer Defekt an Bremsanlage: Schwerverletzter BMW-Fahrer
Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg ermittelt inzwischen im vorstehenden Fall (Blockieren der Vorderradbremse beim Modell BMW R1200GS ohne Betätigung des Bremshebels). Das Aktenzeichen lautet: 414-771/2073/08. Rechtsgrundlage für das Tätigwerden der Verkehrssicherheitsbehörde ist das GPSG (Geräte- und Produktsicherheitsgesetz).
Auskunft über den Ausgang des Verfahrens kann jeder verlangen. Anspruchsgrundlage hierfür ist das Informationsfreiheitsgesetz (IFG).