Langstreckenrennen der anderen Art

Da denkt man die Seuchenzeit ist endlich vorbei, doch dann trifft einen die Alltagskeule mit voller Wucht. Leider mussten diese Erfahrung auch einige unserer Teilnehmer machen. Ein paar von ihnen mussten sich wegen „positiver“ Tests sehr kurzfristig abmelden. Im Gegensatz zu den Jahren 2020 und 2021, konnten wir 2022 den Betroffenen nicht so kurzfristig entgegenkommen wie es der ein- oder andere erwartet hat. Die Strecken waren gebucht und bezahlt.

In diesem Zusammenhang müssen wir nochmals darauf hinweisen, dass wir ein sehr kleiner Verein ohne Personal und großen Verwaltungsapparat sind. Alle Beteiligten stecken vier Wochen vor der jeweiligen Veranstaltung bis über beide Ohren in den Vorbereitungen. Alles, was laufen und tragen kann, wird eingespannt. Und ja, auch wir müssen in der Regel eine Anreise von sechs bis sieben Stunden hinter uns bringen. Aus diesem Grund ist es 24 Stunden vor und während der Veranstaltung schwer bis gar nicht möglich, uns telefonisch zu erreichen. Bei kurzfristigen Absagen ist eine Rückerstattung der Teilnahmegebühren nicht mehr möglich (siehe Geschäftsbedingungen „4 Wochen vor der Veranstaltung“). Dieses Problem könnt ihr mit einer privaten Reiserücktrittsversicherung umgehen. Als Beispiel dafür haben wir im Netz folgendes gefunden: https://alteisen.training/index.php/reiseruecktrittsversicherung/

Wer an den Abenden unserer Veranstaltungen durch das Fahrerlager schlendert, dem wird auffallen, dass sich der überwiegende Teil unserer Teilnehmer und Teilnehmerinnen in der Lebensphase befindet, in der nicht mehr jeder Euro zweimal umgedreht werden muss. Trotzdem finden sich darunter auch einige junge Leute, die im Schlepptau der „Alten“ den Weg zu uns finden und hoffentlich ihren Platz in unserer Szene bekommen. Geld spielt dabei keine unwesentliche Rolle.

Unser Hobby ist kein billiges Vergnügen, auch wenn wir es auf ziemlich niederschwelligem Niveau betreiben. Anfahrt, Reifen, Sprit oder das ein oder andere Ersatzteil schlagen zu Buche. Wer sich seines Arbeitsplatzes in solchen Zeiten nicht sicher sein kann, überlegt sich den Ausflug auf die Rennstrecke zweimal. Wenn dann auch noch die Gesundheit das eigene Leben oder das eines lieben Menschen auf den Kopf stellt, dann ist unser Hobby nur noch ein „nice to have“. In diesem Zusammenhang wünschen wir unseren betroffenen Teilnehmern alles Gute und hoffen, Euch bald wieder in unserem Kreis begrüßen zu können.

Wir glaubten ja schon die Seuchenzeit gut überstanden zu haben, aber dann stellte uns alle ein klein gewachsener Größenwahnsinniger in einem großen Land vor neue Herausforderungen. Das wird für den ein oder anderen dann doch zu viel und die Zündschnur wird immer kürzer. In solchen Zeiten ist eine gewisse Vollkasko-Mentalität einiger weniger der Gemeinschaft wenig hilfreich. Wie es funktionieren kann, haben unsere Teilnehmer in den letzten zwei Jahren nachhaltig bewiesen. Für deren Vertrauen in unseren Umgang mit dem Corona-Planungs-Chaos sind wir sehr dankbar.

Aber auch in der Zukunft werden uns zahlreiche Herausforderungen bevorstehen. Die gegenwärtige Kostenentwicklung scheint sich zu einem Ventilator mit reichlich Gegenwind zu entwickeln. Hinzu kommen teils unsachliche Klima- und Lautstärkendiskussionen mit dem Feindbild Motorrad. Dass sich etwas ändern muss, auch für uns, dürfte jedem bewusst sein, aber es wird wieder einmal mehr über- als miteinander gesprochen.

Die gegenwärtige Kostenentwicklung wird auch an uns nicht vorbeigehen. Hinzu kommt, dass die letzten zwei Jahre tiefe Spuren in unser Asphalthobby gefräst haben. So manch ein Anbieter von Dienstleistungen in unserem Bereich ist oder wird im nächsten Jahr nicht mehr dabei sein. Ein Grund dafür ist auch hier nicht selten das Alter. So wird es immer schwerer, Nachwuchs für den Service an der Rennstrecke zu finden. Erst wenn der letzte Reifendienst von der Rennstrecke verschwunden ist, wirst Du merken, wie schnell Dein Training beendet sein kann.

So auch unser Kurt. Mit seinem Reifendienst [email protected] geht er in seine letzte Saison. Wir werden seine kompetente Beratung, Service und Hilfsbereitschaft sehr vermissen. Von nun an ist guter Rat der Vorrat. Wir arbeiten an einer Checkliste bezüglich notwendiger Vorbereitungen für die Teilnahme an unseren Trainings.

 

Chambley und „Prix de baguette“ 2022

 Unser Saisonhöhepunkt war wie üblich unsere Veranstaltung in Chambley (Frankreich). Die Veranstaltung im Jahr 2021 hatte uns die Grenzen unserer Möglichkeiten aufgezeigt. Daraus resultierten tiefgreifende Regeländerungen die das Alter und die Leistung der eingesetzten Maschinen beim „Prix de baguette“ (Pdb) limitiert. Die genaue Klasseneinteilung findet ihr hier im Regelwerk: http://alteisen.training/index.php/langstreckenrennen/

Als grober Überblick:
– Klasse 1: max. 55 PS, Erscheinungsjahr vor 1990
– Klasse 2: max. 80 PS, Erscheinungsjahr vor 1990
– Klasse 3: max. 100 PS, Erscheinungsjahr vor 2000
Erst ab Klasse 3 sind Slickreifen, Reifenwärmer und Regenreifen erlaubt. Wer sich für den Pdb 2023 angemeldet hat, sollte sich das Reglement auf unserer Web-Seite genau durchlesen!
Bei Fragen wendet euch bitte an Volker unter [email protected]

Um langjährige Teilnehmer mit Kenntnis unserer „Hausordnung“ nicht zu vergraulen, haben wir die „geladenen Klasse“ eingeführt. Diese Klasse ist auf maximal zehn Teams mit einer Maschinenleistung von 100 bis140 PS begrenzt. Die Reifenwahl der „geladenen Klasse“ ist identisch mit der, der Klasse 3. Das Studium des Regelwerkes ist für die Teilnehmer Pflicht und dessen Kenntnis mit der Unterschrift bei der Fahrerbesprechung zu bestätigen.

Von den 30 für den Pdb gemeldeten Teams gingen 2022 leider nur 25 Teams an den Start. Nicht selten mangelte es, nach drei Trainingstagen, der ein oder anderen Maschine oder dem Fahrer an Durchhaltekraft. Älteres Material benötigt im Vorfeld eben ein gewisses Maß an Vorbereitung und Pflege zum Durchhalten. Den Mangel daran bezahlten ein paar Teams mit dem vorzeitigen Ausscheiden. So musste das Team „JapanEintopf“ sein Material, trotz vollem Tank, mit Spritmangel vorzeitig abstellen. Deren schärfste Verfolger, das „Team Saarland“, beanspruchte kurz vor Ende des Pdb ein Kiesbett für sich. So muss dieser Strauß 2023 erneut ausgefochten werden.

Gewonnen hat die Klasse 1 das Team „Toy Division“ vor „Guzzi Classico“ und „Die Skorpione“. Tja, um zu gewinnen muss man ankommen! In der Klasse 3 gewann das Team „Vintage Racing Team 1“ überlegen vor den „Gasjunkies“ und dem Team „Rot-Weiß“. Das „Vintage Racing Team“ legte in der Klasse 3 eine überlegene Leistung hin. In der Gesamtwertung belegten sie einen überzeugenden 2 Platz! Die Klasse 4 sowie die Gesamtwertung gewann, mit 2 Runden Vorsprung, das „Team Lindenmann“. Auf den Plätzen folgten die Teams „MIMI Racing“ und „Cellemondo“. Alle Teams dieser Klasse, die auf das Treppchen kamen, hatten Bestzeiten von deutlich unter 2:00 Minuten/Runde.

Nicht nur die guten Rundenzeiten, auch das Verhalten der Teams untereinander auf und neben der Strecke halten wir für bemerkenswert. Bis auf eine geprellte Schulter, bei einem Sturz ohne Fremdbeteiligung, gab es nichts zu beklagen. So stellen wir uns Motorsport unter Freunden vor. Dies aufrecht zu erhalten benötigt aber auch viel Arbeit und die regelmäßige Überarbeitung unseres Konzeptes. Dies trifft auch auf das neuen Regelwerk für unsere Funläufe zu. Ab der Saison 2023 werden wir keine Unterscheidung der Geschlechter mehr vornehmen. Da sich die fahrerischen Fähigkeiten unserer Teilnehmerinnen nicht mehr von denen der männlichen unterscheiden, sollen sich von nun an alle unter den selben Bedingungen messen. Die Teilnahme an einem der Funläufe ist auch noch kurzfristig vor Ort möglich. Voraussetzung ist jedoch ein dem Reglement entsprechendes Motorrad sowie die Kenntnis des Regelwerkes für den Funlauf.

Genaue Infos: https://alteisen.training/Dokumente/4TaktFunCup.pdf

Autodrom Most

Wie 2020 sind wir auch 2022 in Most an den Start gegangen. Dieses „Bonbon“ stellt für uns alle zwei Jahre eine besondere Herausforderung dar. Nicht nur die Kosten für die Strecke sind immens. Die Urlaubstage unserer Vereinsmitglieder sind begrenzt und werden in einem Jahr mit vier Veranstaltungen arg strapaziert. Hinzu kommt, dass die Anzahl von Teilnehmern mit geeignetem Material begrenzt zu sein scheint. Wir kämpfen immer wieder mit einer ausreichenden Anzahl von Anmeldungen zur Deckung der Veranstaltungskosten. Hoffen wir, dass unsere Bemühungen um eine mögliche Alternative erfolgreich sind.

Trotz einiger Unwägbarkeiten war unser Training ein voller Erfolg. Die recht homogene Klasseneinteilung wird von vielen Teilnehmern sehr positiv bewertet. Das Fahren mit gleich gearteten Maschinen auf einem GP-Kurs ist ein Erlebnis der besonderen Art, auch mit weniger als 100 PS. Das Team vor Ort ist extrem erfahren, freundlich und hilfsbereit, die Zusammenarbeit mit den Tschechen ist eine Freude.

Abschluss STC

Auch wenn unsere Abschlussveranstaltung für die meisten von uns das Ende der Saison bedeutet, hinter vorgehaltener Hand soll es für einige unserer Teilnehmer die angenehmste Veranstaltung sein. Besonders unsere langjährigen Teilnehmer schätzen die Möglichkeit, fast immer wann sie wollen, mit anderen erfahrenen Fahrern eine zügige Linie zu fahren. Für absolute Einsteiger ist diese Veranstaltung also nicht zu empfehlen.

Ein weiteres Plus dieser Veranstaltung ist, dass wir alle in entspannter Atmosphäre auch die Zeit finden miteinander zu quatschen, zu lachen oder uns gegenseitig die Motorräder zu beschrauben.

In der Regel wird nach dem letzten Turn des Tages mit der harten „Konkurrenz“ ein Lederbier genommen. Nach dem meist gemeinsamen eingenommenen Abendbrot werden Tische und Bänke zusammengeschoben, um dem Tag einen würdigen Abschluss zu geben. An diesen Abenden bekommen wir von Euch immer wieder gute Hinweise, Tipps und Rückmeldungen auf unsere vergangenen Veranstaltungen. Nicht selten entsteht daraus „öfter mal was neues oder altes in neuem Gewand“.

In diesem Sinne freuen wir uns auch 2023 auf Euch!

Euer Alteisen.Training e.V. – Team