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Betrachtungen zur BVDM-Tourenzielfahrt (TZF) 2021
Vorab möchte ich klarstellen, dass Peter und Inge meines Erachtens wieder eine tolle Auswahl an Zielen getroffen haben, an der ich keinerlei Kritik äußern möchte! Der frustige Vorbehalt in meiner Überschrift betrifft vielmehr folgendes:
Zitat aus Wikipedia: Als Ferienstraße oder Touristikstraße bzw. -route wird in Deutschland laut dem ADAC (1995) eine auf Dauer angelegte Reiseroute mit einem speziellen Thema bezeichnet, die den Zweck verfolgt, das Gebiet der Streckenführung touristisch besser zu vermarkten.
Na, prima! dachte ich nach der Lektüre dieser Definition und der Ausschreibung für die 2021er Tourenzielfahrt, wonach für je ein Ziel einer Themen- oder Ferienstraße zehn Sonderpunkte winkten, die dann ja wohl leicht zu finden sein würden. Zudem achtete ich bei der Planung meiner vier Tourenzielfahrt-Rundtouren auch darauf, dass ich bei der Anfahrt zu den einzelnen Zielen oder der Weiterfahrt möglichst dem Verlauf der zugehörigen Ferienstraße im jeweiligen Zielbereich folgen würde.
Aber spätestens am Ende des zweiten Tages meiner ersten einwöchigen Tour im Dreieck Lüdenscheid – Emden – Anklam hatte ich begriffen, dass es hinsichtlich der Beschilderung mindestens drei Arten von Themen-/ Ferienstraßen gibt, nämlich solche,
a) die, wie oben definiert, tatsächlich wegweisende Funktion haben, speziell in unmittelbarer Nähe der zugehörigen Sehenswürdigkeiten;
b) bei denen man irgendwo im Verlauf der Ferienstraße mal ein Hinweisschild findet;
c) die überhaupt nicht ausgeschildert sind oder bei denen es mir zumindest trotz heftigen Bemühens nicht gelungen ist, ein Schild zu finden.

Ein paar Beispiele und die Schilderung meiner diesbezüglichen Erlebnisse sollen diese Einteilung und den Bezug zur Überschrift meines Berichtes erläutern:
Als beispielhaft für Fall a) möchte ich die Route der Industriekultur im Ruhrgebiet, die Romantische Straße und die Deutsche Alpenstraße nennen, bei denen die Beschilderung tatsächlich geeignet ist, den Touristen von einer zur nächsten Sehenswürdigkeit zu leiten. Außerdem konnte ich in diesen Fällen einigermaßen sicher sein, ein zugehöriges Ferienstraßenschild ohne große Umwege bei der Anfahrt zu einem Ziel zu finden. Das Ferienstraßenglück war also sowohl hinsichtlich der Attraktivität der Straße und des Ziels als auch hinsichtlich der Sonderpunkte ungetrübt.
In den Fällen nach b) ist es hingegen reine Glückssache, ob und wo man das zugehörige Ferienstraßenschild findet. Als Beispiele für diesen Typ möchte ich die Deutsche Alleenstraße, die Märkische Eiszeitstraße und die bayerische Eisenstraße nennen.

Die Deutsche Alleenstraße ist mit insgesamt 2900 Kilometer Länge einfach zu lang, um durchgehend beschildert zu sein. Da ich meine Route nicht nach dieser Straße, sondern nach diversen anderen Zielen geplant hatte, bin ich nur zufällig (und meist unerwartet) über ein paar Schilder der Alleenstraße „gestolpert".
Auch ein Schild der Märkischen Eiszeitstraße habe ich nur zufällig nahe Prenzlau entdeckt, als ich eigentlich nach Westen abbiegen wollte, mich dann aber spontan entschloss, stattdessen den „Umweg" von 50 Kilometern über Schwedt/Oder wegen des dortigen Nationalparkhauses in Kauf zu nehmen. Und ein Schild der bayerischen Eisenstraße fiel mir nicht etwa in Kalmünz (mit dem „Haus ohne Dach") ins Auge, sondern erst unweit meines folgenden Quartiers in Amberg.
In den Fällen nach c) habe ich den Eindruck gewonnen, dass nicht eine die einzelnen thematischen Sehenswürdigkeiten verbindende Ferienstraße die gemeinsame Klammer ist, sondern dass die zugehörigen Institutionen lediglich eine Interessengemeinschaft bilden, deren Vermarktung wohl im ersten Ansatz steckengeblieben ist. Anders kann ich mir z.B. nicht erklären, dass ich nach meinem Besuch der Klosterruine in Stolpe a. d. Peene während meiner extra eingelegten „Ehrenrunde" zwischen Anklam und Jarmen (20 Kilometer beidseits der Peene) kein einziges Schild der zugehörigen „Vorpommerschen Dorfstraße" finden konnte. Frustrierend, aber abgemildert durch die humorvoll gestalteten kleinen Mönchsfiguren bei der Klosterruine in Stolpe!
Wirklich frustrierend und erschütternd war hingegen auf meiner letzten Rundtour mein Abstecher ins Ahrtal, wo ich in Altenahr trotz begonnener Aufräumarbeiten die Hochwasserschäden noch in aller Deutlichkeit zu sehen bekam und die St.-Anna-Brücke in Mayschoss-Laach nicht erreichbar und ohnehin nicht mehr existent war.
Man möge mir nachsehen, dass mein Ehrgeiz auch nach sechs Tourenzielfahrten mit sehr erfreulichen Ergebnissen noch nicht erloschen ist. Daher bin ich weiterhin bestrebt, neben dem Genuss reizvoller Ziele und Motorradstrecken nach Möglichkeit viele Punkte zu sammeln, wozu auch ein Joker dienlich sein kann. Gemäß der Ausschreibung besteht die Möglichkeit, ein Wertungsziel durch eins zu ersetzen, das und dessen zugehörige Ferienstraße nicht in der Liste der TZF-Ziele genannt ist.
Durch Internet-Recherche habe ich ein paar solcher Ferienstraßen ausfindig gemacht, die ich in meine Tourenplanung einbezogen und auch angesteuert habe. Leider musste ich dann feststellen, dass die meisten wegen nicht auffindbarer Ferienstraßen- und Ortsdurchgangsschilder (mit gelber Schrift auf grünem Grund) punktemäßig nicht konkurrenzfähig waren.
Auf einen potentiellen Joker bin ich dann sogar noch rein zufällig in Allstedt (in Sachsen-Anhalt) gestoßen, wo mir ein Schild „Straße der deutschen Sprache" ins Auge fiel, von der ich vorher weder gelesen noch gehört hatte. Ihre Stationen sind Orte, die historisch für die Entwicklung der deutschen Sprache bedeutsam waren, unter anderem Wittenberg, Eisenach Meißen und Schleiz; in Schleiz lehrte Konrad Duden am humanistischen Gymnasium „Rutheneum" und vollendete dort sein Buch „Die deutsche Rechtschreibung". Wieder was dazugelernt!

Neben den Sonderpunkten fürs Ferienstraßenschild enthielt die 2021er TZF-Ausschreibung noch eine Neuregelung, wonach unter bestimmten Voraussetzungen das Foto mit Motorrad und Ortsschild auch durch ein Foto ersetzt werden kann, auf dem statt des möglicherweise erheblich verkehrsbehindernden Motorrads nur eine Kopie des Nummernschildes und das Jahresschild zusammen mit dem Ortsschild fotografiert wird. Als Fahrer einer Solo-Maschine habe ich zwar meistens das Problem des verkehrsbehindernden Anhaltens am Ortsschild durch einen Foto-Halt auf dem Randstreifen, auf dem wenig befahrenen benachbarten Radweg oder durch das Aufsuchen einer wenig befahrenen Nebenstraße in Grenzen halten können, fand die Neuregelung aber für die Fotos der Ferienstraßenschilder sehr hilfreich, weil diese oft mitten im Kreuzungsbereich stehen, wo der Foto-Halt auch einer Solo-Maschine eine erhebliche Verkehrsbehinderung oder -gefährdung darstellen kann. Vielen Dank für die neue Regelung!

Mein Fazit: Die TZF „Themen- und Ferienstraßen" hat mir wieder viel Freude gemacht und mich in viele schöne Orte und über viele herrliche Straßen geführt, die ich entweder noch nicht kannte oder gerne wiedergesehen habe. Die Corona-bedingten Einschränkungen haben zwar den Saisonstart für Mehrtagestouren erheblich verzögert, aber dennoch habe ich mein Fahrtenprogramm ohne Abstriche realisieren können, und das auch noch mit viel Wetterglück.
Peter und Inge, wenn Ihr so weiter macht, bin ich im kommenden Jahr gerne wieder dabei! Und mit mir hoffentlich viele weitere Motorradkameraden und -kameradinnen! Dietrich H.