Das Verwaltungsgericht München hat am Mittwoch, 29. Juli 2026, die Klage gegen das Motorradfahrverbot auf der „Sudelfeldstrecke“ (B 307) zwischen Rosenheim und Bayrischzell abgewiesen und damit die verkehrsrechtliche Anordnung des Landratsamtes Rosenheim für rechtmäßig erklärt. Zuvor hatte sich das Gericht bei einem Termin vor Ort die Strecken angesehen.

Für den Bundesverband der Motorradfahrer (BVDM e.V.) war das betroffene Mitglied vor Ort, das mit Unterstützung des Verbandes geklagt hatte und die Rechtsanwältin Christina Frühe von GÖHMANN Rechtsanwälte, die das Verfahren für den BVDM begleitet hat.

Entscheidung ist eine Enttäuschung

Die Entscheidung des Gerichtes ist eine Enttäuschung, auch wenn es sich bei der Sperrung um eine zweijährige Erprobungsmaßnahme handelt, die jetzt um einen Monat verkürzt wurde und Ende September ausläuft. Selbst wenn der BVDM gegen die Entscheidung weitere Rechtsmittel einlegen wollte, ist die Zeit dazu jetzt einfach zu kurz. Zum einen wird der Verband jetzt erst einmal die schriftliche Urteilsbegründung abwarten, zum anderen dann schauen, ob das Landratsamt Rosenheim zu Beginn der Saison 2027 eine dauerhafte Sperrung verhängen wird. Davon ist abhängig, ob der Verband weitere rechtliche Maßnahmen ergreift. Auch über eine weitere Demo, wie sie im vorigen Jahr veranstaltet wurde, ist eine Möglichkeit, die der Verband in Erwägung zieht. „Wir werden die Interessen der Motorradfahrerinnen und Fahrer in Bayern weiter konsequent vertreten", kündigt Michael Lenzen, Vorsitzender des Bundesverbandes der Motorradfahrer an.

Bei seiner Entscheidung am Mittwoch ist das der Auffassung des Landratsamtes gefolgt, wonach die Gefahrenabwehr im vorliegenden Fall Vorrang vor den Interessen der Motorradfahrer habe und mildere Mittel nicht in gleicher Weise geeignet gewesen seien. 

Eine „Erprobungsmaßnahme" bei der das Ergebnis schon vorher feststeht

„Es kann nicht sein, dass hier von einer Erprobungsmaßnahme gesprochen wird, wo das Ergebnis - die Streckensperrung - im Vorhinein schon feststeht. Erprobung würde bedeuten, andere Maßnahmen, wie etwa die kreiselförmigen Fahrbahnmarkierungen, wie sie auf der Panoramastraße erfolgreich in einem Verkehrsversuch getestet wurde, zu prüfen", sagt Lenzen. Der Verband wehrt sich seit Jahren dagegen, dass Motorradfahrer in Sippenhaft genommen werden und Strecken gesperrt werden, anstatt die Ursachen für Unfälle zu beseitigen oder gezielt gegen diejenigen vorzugehen, die bewusste die Straßenverkehrsordnung missachten.   

Rund 1500 Motorradfahrer demonstrierten im vorigen Jahr gegen die Sperrung des Sudelfeldes. Foto: R. Mohr


Der Verband kann zudem die Sinnhaftigkeit einer temporären Streckensperrung nicht nachvollziehen „Warum sollte die gleiche Strecke am Wochenende für Motorradfahrer gefährlicher sein als etwa am Mittwoch oder um 11 Uhr gefährlicher als um 10.30 Uhr?“, so Lenzen. Natürlich steige die Wahrscheinlichkeit für einen Unfall, wenn 1500 statt 150 Fahrzeuge eine Strecke passierten. Das sei aber eine statistische Größe. Wenn eine Strecke erkennbare Risiken und Gefahren für Motorradfahrer hat, dann müssen diese Stellen entschärft werden. Eine temporäre Sperrung ist keine Lösung. Zudem werde durch Sperrungen der Verkehr auf andere Strecken verlagert, Unfälle würden dadurch nicht verhindert, sie ereigneten sich dann an anderen Stellen, so der Vorsitzende des Verbandes. Mit Streckensperrungen und Maßnahmen nur gegen Motorradfahrer machen es sich die Behörden zu einfach, sie diskriminieren damit die große Mehrheit der Motorradfahrer. Der Verband fordert die Motorradfahrer in Deutschland auf, den BVDM in seinem Kampf gegen die Ungleichbehandlung zu unterstützen, denn die Gerichtsverfahren bedeuten nicht nur einen hohen zeitlichen und personellen Aufwand, sie kosten auch eine Menge Geld. 

BVDM ruft zu mehr Unterstützung im Kampf gegen Streckensperrungen auf

Nur zu meckern und Gleichbehandlung zu fordern reicht nicht. Jedem Motorradfahrer muss klar sein, dass er etwas tun muss, wenn er verhindern will, dass es zu immer mehr Streckensperrungen in Deutschland kommt. Das geht über die Mitgliedschaft im BVDM, die aktive Unterstützung des Teams Streckensperrungen aber auch über Spenden. „Wir haben rund fünf Millionen zugelassene Motorräder in Deutschland, bei einer solch großen Gemeinschaft muss es doch mehr Widerstand gegen unsinnige Anordnungen und mehr Unterstützung des BVDM geben", appelliert Lenzen. 

Die Pressemitteilung zur Klage gibt es hier.